Andachten & Musik zum
Zuhause-Lesen und Anhören

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 13. Mai 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Viele der Sonntage nach Ostern haben einen Namen, der in Wahrheit eine Aufforderung ist. Jubilate, Kantate, Rogate heißen diese Sonntage, auf deutsch „Jubelt“, „Singt“, „Betet“. Doch das Singen, zumindest das gemeinsame Singen im Gottesdienst, ist derzeit verboten. Zu hoch ist dabei die Ansteckungsgefahr.

Wir bereiten in diesen Tagen die Öffnung der Kirche für Gottesdienste vor. Viele Maßnahmen müssen dafür getroffen werden. Und auf manches muss verzichtet werden. Es wird vorerst kein Abendmahl und auch keinen Gemeindesang geben. Dabei gehört das Singen doch genauso zum Gottesdienst wie Gebet und Predigt. Die Kirche ist einer der ganz wenigen Orte, wo man noch miteinander singt, auch wenn man kein Chorsänger und keine Chorsängerin ist. „Du, meine Seele, singe“, heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt. Er drückt damit eine alte Erfahrung aus. Im Singen kann ich noch einmal anders ausdrücken, was mir auf der Seele liegt, als im Sprechen. Schon die Psalmen, etwa 2500 Jahre alt,  waren Lieder. Sie helfen den Menschen dabei, Lob und Dank, Klage und Verzweiflung auszudrücken und sie vor Gott zu bringen. Und nun also Gottesdienste ohne Gesang, wenn auch nicht ohne Musik. Das Singen wird fehlen - das Atemholen, die eigene Stimme hören, sich fremde Worte im Singen zu eigen machen, den Glauben ausdrücken. Erst einmal werden wir im Gottesdienst nur hören und die Gemeinschaft mit anderen erleben (mit Abstand natürlich) können.

Als Jesus in Jerusalem einzieht, da beginnen seine Anhänger zu singen. Jesus wird aufgefordert seine Jünger zum Schweigen zu bringen. Seine Antwort ist knapp und schroff: Wenn die Jünger schweigen, dann werden die Steine singen. So viel ist in unserer St. Nikolai-Kirche schon gesungen worden, aus Kummer und aus Glück. So viel Lieder haben die Mauern unserer Kirche über Generationen hinweg gehört. Und wenn wir ganz leise sind, dann können wir vielleicht die Steine unserer Mauern singen hören. Dann singen sie uns die Lieder vor, die Freudenlieder und die Trauerlieder, die sie seit über 350 Jahren bewahren.

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

Andachten von Pastorin Mirjam Kull

Kristian Schneider spielt Werke von J. S. Bach an der Weigle-Orgel

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 06. Mai 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Mit Macht kommt das Leben im Frühling zurück. Wo eben noch kahle Zweige und Äste waren, sieht man jetzt dieses ganz besondere erste Grün. Die Natur braucht Zeit für dieses Wunder. Und die Pflanzen brauchen Licht, Wärme, Regen, um Blüten und Blätter zu entwickeln.

Auch in der Kirche gibt es Jahreszeiten. Im Moment befinden wir uns mitten im Osterfestkreis. Auch Ostern erzählt von der Macht des Lebens, berichtet vom Wunder der Auferstehung.

Ein wenig können wir auch schon die Rückkehr des Lebens in unserer Stadt spüren. Noch mit Maske und Abstandsgebot und mit viel Unsicherheit, wie es weitergehen kann. Aber wenigstens ist Toilettenpapier keine Mangelware mehr.

Das Corona-Virus hat massiv in unser Leben eingegriffen und unseren Alltag radikal verändert. Täglich lernen wir neu, wie das Leben jetzt funktioniert: am Arbeitsplatz, im Home-Office, in den Einkaufsläden, in den Familien, in der Nachbarschaft. Dieses Lernen hat Zeit gebraucht, das Leben mussten noch einmal geübt werden. Viel Geduld und Rücksicht waren nötig.

Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist in der Kirche eine besondere Zeit. Es ist die Zeit, in der Jesus als Auferstandener auf der Erde lebt und sich den Menschen zeigt. Es ist Zeit zwischen den Zeiten. Jesus ist schon auferstanden, aber er macht noch einen Zwischenstopp bei seinen Freunden, bevor er in den Himmel aufsteigt. Nach Pfingsten beginnt der Alltag in der Kirche. Die großen Feste Weihnachten und Ostern sind gefeiert, bis zum Erntedankfest ist es noch lange hin. Für dieses Alltagsleben werden wir Menschen ausgestattet mit dem heiligen Geist, der an Pfingsten vom Himmel herab kommt. Heiliger Geist ist Lebenskraft, die uns geschenkt wird. So wie die Pflanzen Licht und Wärme, Regen und Zeit bekommen, damit sie wachsen und sich entfalten können. Möge dieser Geist von Gott Sie stärken, in den besonderen Zeiten Ihres Lebens und auch in den Alltagszeiten!

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

St. Nikolai-Kirche
zu Elmshorn

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