St. Nikolai-Kirche zu Elmshorn

Andachten & Musik zum Zuhause-Lesen und Anhören

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 25. März 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

wir befinden uns mitten in der Fastenzeit vor Ostern. Viele Menschen entscheiden sich jedes Jahr wieder, auf etwas zu verzichten, das ihnen lieb geworden ist. Manche verzichten sieben Wochen lang auf Kaffee, andere auf das Fernsehen. Nun hat uns ein Virus eine ganz andere Art von Verzicht aufgenötigt, eine Art Sozial-Fasten. Wir verzichten auf Gemeinschaft, auf die Teilnahme am Gottesdienst, auf unser Recht, hinzugehen, wohin und mit wem wir gerade wollen. Wie lange dieses soziale Fasten dauern wird - noch weiß das wohl niemand. Dieser Verzicht aber ist wichtig, lebenswichtig sogar.

Der Bibelvers, der uns durch diese Woche begleitet, lautet: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh 12,24) Auch dieser Vers erzählt von einem lebensrettenden Verzicht. Jesus verzichtet auf alle göttlichen Machterweise, er verzichtet auf große Wunder, er verzichtet am Ende sogar darauf, sein eigenes Leben zu retten. Er entscheidet sich für die Ohnmacht, um unsere menschliche Ohnmacht zu teilen. Er entscheidet sich für das Leiden, um uns in unserem Leiden nah zu sein. Und gerade diese bedingungslose Nähe hat Menschen immer wieder gestärkt, ihr Leben zu gestalten, hat sie ermutigt, an der Hoffnung festzuhalten. Christlicher Glaube hat dadurch manchmal etwas fast Trotziges. Trotz Erfahrungen von Not und Leid hält der Glaube fest an der Hoffnung.

Martin Luther wird folgender Ausspruch nachgesagt: „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“. Ich pflanze einen Baum, weil die Hoffnung größer ist als die Angst, weil das Leben stärker ist als der Tod.

Von vielen solchen Hoffnungsgeschichten erfahren wir in diesen Tagen. In Italien treten Menschen auf den Balkon und machen gemeinsam Musik mit Töpfen und mit Pfannen. Überall rufen Menschen einander an und schaffen so Nähe. Die Glocken der Kirchen unserer Stadt läuten jeden Abend um 18.00 Uhr und rufen Menschen zum Gebet auf. Jeder  bleibt in seinem Zuhause und weiß doch um die Fürbitte der anderen.

Manche der überschwänglichsten Loblieder unseres Gesangbuchs stammen aus schlimmen Zeiten. Und so möchte ich Ihnen heute diese Zeilen aus dem Lied „Jesu meine Freude“ mit auf den Weg geben: „Unter deinen Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein“.

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

Andachten von Pastorin Mirjam Kull

Kristian Schneider spielt Werke von J. S. Bach an der Weigle-Orgel

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 18. März 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf soziale Kontakte sollen wir verzichten - so lautet der wichtigste Ratschlag, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Das klingt nach einer leichten Verhaltensregel. Doch in der Praxis merken wir immer mehr, wie sehr wir als Menschen auf die Gemeinschaft mit anderen Menschen angewiesen sind. Soziale Nähe ist ein menschliches Grundbedürfnis, kaum weniger wichtig als essen, trinken und schlafen. Einsamkeit macht Menschen auf Dauer krank. Und auch unser christlicher Glaube lebt von der Gemeinschaft. Jesus ist nicht in der Wüste geblieben, um Gott in der Einsamkeit zu suchen, sondern hat eine menschliche Gemeinschaft um sich versammelt. Schon die ersten Christenmenschen haben sich zusammengetan, um miteinander zu beten und sich von ihrem Glauben zu erzählen. Keiner kann sich selbst  taufen, sich selbst segnen oder sich selbst das Abendmahl reichen.

In diesen Tagen nicht gemeinsam Gottesdienst feiern zu können - das ist für die christlichen Kirchen ein riesiger Einschnitt. Sogar in den Ländern, in denen das Christentum verboten ist, treffen sich Menschen trotz Strafandrohung, um miteinander Gottesdienst zu feiern.

Soziale Nähe herzustellen, ohne einander nahe zu sein, das versuchen wir in diesen Tagen. Die neuen Medien nutzen wir dafür. Aber auch die ganz alten. Der Brief ist so ein altes Medium. Schon der Apostel Paulus schrieb Briefe an seine Gemeinden, wenn er sie nicht persönlich besuchen konnte. Und jeden Brief beginnt er mit diesen Worten: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“.

Das wünsche ich Ihnen in diesen Tagen, in denen ein Virus uns von so vielem, das uns wichtig ist und zu unserem Leben gehört, abschneidet: Dass Sie Gottes Nähe spüren, ihr vielleicht sogar bewusst nachspüren, dass sie eine wenig Frieden finden für Ihre Seele in dem Bewusstsein von Gottes Nähe. Und so möchte ich Ihnen heute dieses Wort aus dem 139. Psalm mitgeben: „Von allen Seiten umgibst du mich, Gott, und hältst deine Hand über mir. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein - so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtet wie der Tag.“

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

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