St. Nikolai-Kirche zu Elmshorn

Andachten & Musik zum Zuhause-Lesen und Anhören

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 20. Mai 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Wie halte ich Kontakt zu Menschen, wenn ich sie nicht persönlich treffen kann? Wie kann ich Nähe zu jemandem fühlen, wenn ich ihn oder sie nicht berühren darf? Seit vielen Wochen schon versuchen wir körperliche Distanz und menschliche Nähe irgendwie in Balance zu bringen.

Die Jünger Jesu waren vor eine ganz ähnliche Aufgabe gestellt. Einige Jahre lang haben sie in inniger Gemeinschaft mit Jesus gelebt. Sie konnten mit ihm sprechen oder ihn berühren, wann immer sie wollten. Dann kamen sein schrecklicher Tod und seine Auferstehung. Jesus hat den Tod besiegt und lebte als Auferstandener unter den Menschen. Es wird erzählt, dass Thomas ihn sogar berühren und seine Wundmale spüren konnte. Und dann, nach 40 Tagen, war es auch damit vorbei. Ein neuer Abschied. Immer wenn wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis sprechen, erzählen wir davon: „Jesus Christus ist aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes“. Der Auferstandene verlässt die Erde und fährt auf in den Himmel. Keine Berührung ist mehr möglich, keine körperliche Nähe. Und doch verschwindet er nicht einfach aus dem Leben der Menschen. Im Gegenteil: er verspricht ihnen seine Nähe. „Siehe, ich bleibe bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Gleichzeitig mit diesem Versprechen gibt er ihnen auch einen Auftrag mit auf den Weg: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch geboten habe.“

Die Nähe, die die Jünger erlebt haben, bleibt. Und sie gibt ihnen Kraft für die neue Aufgabe, anderen von ihren Erfahrungen zu erzählen und sie zu taufen. Wir Getauften haben anders als die Jünger damals Jesus nie sehen oder ihn anfassen können. Und doch erleben wir seine Nähe, spüren die Kraft des großen Versprechens: „Siehe, ich bleibe bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“.

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

Andachten von Pastorin Mirjam Kull

Kristian Schneider spielt Werke von J. S. Bach an der Weigle-Orgel

Gedanken zum Mitnehmen

Mittwoch, 13. Mai 2020 | Pastorin Antje Eddelbüttel

 

Viele der Sonntage nach Ostern haben einen Namen, der in Wahrheit eine Aufforderung ist. Jubilate, Kantate, Rogate heißen diese Sonntage, auf deutsch „Jubelt“, „Singt“, „Betet“. Doch das Singen, zumindest das gemeinsame Singen im Gottesdienst, ist derzeit verboten. Zu hoch ist dabei die Ansteckungsgefahr.

Wir bereiten in diesen Tagen die Öffnung der Kirche für Gottesdienste vor. Viele Maßnahmen müssen dafür getroffen werden. Und auf manches muss verzichtet werden. Es wird vorerst kein Abendmahl und auch keinen Gemeindesang geben. Dabei gehört das Singen doch genauso zum Gottesdienst wie Gebet und Predigt. Die Kirche ist einer der ganz wenigen Orte, wo man noch miteinander singt, auch wenn man kein Chorsänger und keine Chorsängerin ist. „Du, meine Seele, singe“, heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt. Er drückt damit eine alte Erfahrung aus. Im Singen kann ich noch einmal anders ausdrücken, was mir auf der Seele liegt, als im Sprechen. Schon die Psalmen, etwa 2500 Jahre alt,  waren Lieder. Sie helfen den Menschen dabei, Lob und Dank, Klage und Verzweiflung auszudrücken und sie vor Gott zu bringen. Und nun also Gottesdienste ohne Gesang, wenn auch nicht ohne Musik. Das Singen wird fehlen - das Atemholen, die eigene Stimme hören, sich fremde Worte im Singen zu eigen machen, den Glauben ausdrücken. Erst einmal werden wir im Gottesdienst nur hören und die Gemeinschaft mit anderen erleben (mit Abstand natürlich) können.

Als Jesus in Jerusalem einzieht, da beginnen seine Anhänger zu singen. Jesus wird aufgefordert seine Jünger zum Schweigen zu bringen. Seine Antwort ist knapp und schroff: Wenn die Jünger schweigen, dann werden die Steine singen. So viel ist in unserer St. Nikolai-Kirche schon gesungen worden, aus Kummer und aus Glück. So viel Lieder haben die Mauern unserer Kirche über Generationen hinweg gehört. Und wenn wir ganz leise sind, dann können wir vielleicht die Steine unserer Mauern singen hören. Dann singen sie uns die Lieder vor, die Freudenlieder und die Trauerlieder, die sie seit über 350 Jahren bewahren.

 

Herzlich, Ihre Pastorin Antje Eddelbüttel

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